Stellen Sie sich vor: Endlich, Ihr erster Aufstieg im Hochgebirge. Es fühlt sich an wie ein Traum – klare Luft, weite Sicht, Vorfreude auf den Gipfel. Am Abend aber bekommen Sie plötzlich Kopfschmerzen, dazu ein flaues Gefühl im Magen, und Sie schlafen unruhig. Viele denken dann an Stress, dass sie zu wenig zu Trinken hatten oder „einfach zu wenig Kondition“. Tatsächlich können diese Symptome aber Anzeichen für den Beginn einer Höhenkrankheit sein – und die kann jede_n treffen, unabhängig von Fitness oder Erfahrung.
Weil in der Höhe schnelle Entscheidungen, gute Vorbereitung, klare Regeln und im Notfall rasche Organisation von Hilfe wichtig sind, zeigt Ihnen dieser Ratgeber einsteigerfreundlich, woran Sie typische Beschwerden erkennen, wie Sie mit Akklimatisation sinnvoll vorbeugen und wann ein Abstieg die wichtigste Entscheidung ist.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei starken oder rasch zunehmenden Symptomen holen Sie bitte medizinische Hilfe.
Was Sie nach dem Lesen wissen:
- Woran Sie Höhenkrankheit-Symptome zuverlässig erkennen.
- Ab welcher Höhe das Risiko typischerweise steigt – und warum die Schlafhöhe so entscheidend ist.
- Wie Sie mit Akklimatisation (300–500 Höhenmeter-Regel) wirksam vorbeugen.
- Was Sie bei Beschwerden konkret tun (Stopp, Ruhe, Abstieg).
- Welche Warnzeichen auf Höhenlungenödem/Höhenhirnödem hindeuten.
Das Wichtigste zusammengefasst
- Höhenkrankheit entsteht durch Sauerstoffmangel bei zu raschem Aufstieg.
- Leitsymptom ist meist Kopfschmerz plus weitere Beschwerden (z. B. Übelkeit, Schwindel).
- Akklimatisation ist die beste Vorbeugung: langsam aufsteigen, Pausentage einplanen.
- Bei Symptomen gilt: nicht weiter aufsteigen, im Zweifel absteigen (mind. 500 Meter).
- Atemnot in Ruhe, Verwirrtheit oder Gangunsicherheit sind Notfallzeichen: sofort absteigen und Notruf wählen.
Was ist Höhenkrankheit – und warum bekommt man sie?
Höhenkrankheit ist ein Sammelbegriff für Beschwerden, die auftreten können, wenn Ihr Körper den geringeren Sauerstoffdruck in der Höhe nicht rasch genug ausgleichen kann.
Dazu zählen die akute Bergkrankheit sowie die seltenen, aber gefährlichen Formen Höhenlungenödem und Höhenhirnödem.
Entscheidend ist weniger, wie sportlich Sie sind, sondern wie schnell Sie aufsteigen und wie hoch Sie schlafen.
Ursachen: Sauerstoffmangel (Hypoxie) & Schlafhöhe
Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck – dadurch wird die Sauerstoffaufnahme schwieriger, der Körper reagiert unter anderem mit schnellerer Atmung und höherem Puls.
Gerade in der Nacht ist die Sauerstoffsättigung oft niedriger, daher ist die Schlafhöhe ein zentraler Risikofaktor.
Merken Sie sich:
- Je schneller der Aufstieg, desto höher das Risiko.
- Schlafhöhe zählt mehr als Tageshöhe.
- Fitness schützt nicht zuverlässig.
Höhenkrankheit Symptome: worauf Sie achten sollten
Typische Symptome der Höhenkrankheit sind Kopfschmerzen in Kombination mit weiteren Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit oder Schlafstörungen. Dadurch werden sie leicht mit Anzeichen eines grippalen Infekts oder Migräne verwechselt.
Zur groben Orientierung: Die Symptome beginnen häufig innerhalb von 4 bis 12 Stunden nach dem Aufstieg und treten ab etwa 2.000 bis 2.500 Höhenmeter auf – achten Sie aber darauf, dass diese Angaben nicht allgemeingültig, sondern individuell sehr unterschiedlich sind.
Leichte Höhenkrankheit (akute Bergkrankheit): häufige Anzeichen
Bei leichter akuter Bergkrankheit gilt: Stoppen Sie das Höhenwandern oder Klettern und geben Sie Ihrem Körper Zeit – viele Beschwerden bessern sich, wenn Sie auf gleicher Höhe bleiben und sich ausruhen. Auf diese Anzeichen müssen Sie achten:
- Kopfschmerz (oft Stirn/Schläfen)
- Übelkeit oder Appetitverlust
- Schwindel
- Müdigkeit oder Leistungsknick
- Schlafstörungen
Notfall: Höhenlungenödem & Höhenhirnödem - das sind Warnzeichen
Schwere Formen der Höhenkrankheit sind selten, aber gefährlich – hier zählt jede Minute und ein Abstieg oder Abtransport sind lebenswichtig. Achten Sie auf diese Warnzeichen, die auf einen Notfall hinweisen und den Verdacht auf ein Ödem begründen können:
- Atemnot in Ruhe, Husten, bläuliche Lippen, bläuliche Haut: Verdacht auf Höhenlungenödem
- Gangunsicherheit (Ataxie), Verwirrtheit, starke Kopfschmerzen: Verdacht auf Höhenhirnödem
- Sofortmaßnahme: nicht weiter aufsteigen, sofort absteigen und einen Notruf absetzen
Höhenkrankheit vorbeugen: Akklimatisation, die wirklich hilft
Die wirksamste Prävention gegen eine Höhenkrankheit ist stufenweiser Aufstieg: So geben Sie Ihrem Körper die Zeit, die er braucht, um sich anzupassen. Eine akute Akklimatisation dauert typischerweise einige Tage.
Oberhalb von 2.500 Meter empfiehlt das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs folgenden Richtwert für den Aufstieg: maximal 300 bis 500 Höhenmeter Schlafhöhengewinn pro Tag sowie einen Pausentag alle 3 Tage.
300–500‑Höhenmeter‑Regel: so setzen Sie sie praktisch um
Planen Sie Ihre Route also so, dass Ihre Schlafhöhe pro Tag nur moderat steigt, und sehen Sie Ruhetage vor.
- Über 2.500 Meter: Schlafhöhe plus 300–500 Meter pro Tag
- Alle 3 Tage: 1 Ruhetag (oder Schlafhöhe gleich lassen)
- Symptome bedeuten Stopp: “Verbeißen” Sie sich nicht, sondern halten Sie an und steigen Sie nicht weiter auf
Weitere Tipps: Trinken, Tempo, Alkohol vermeiden
Wenn Sie sich beim Bergsteigen körperlich verausgaben, ist es wichtig ausreichend zu trinken. Oberhalb von 2.500 Höhenmetern sind ca. 3 bis 4 Liter Wasser pro Tag empfehlenswert. Ob Sie genügend Flüssigkeit aufnehmen, erkennen Sie außerdem an einem hellen Urin.
Verzichten Sie dagegen auf Alkohol und Schlafmittel, denn diese können Beschwerden noch verstärken oder die Atmung dämpfen – besonders in den ersten 48 Stunden.
- Viel trinken (heller Urin als Orientierung)
- Erste 1–2 Tage nur leichte körperliche Belastung
- Alkohol in den ersten 48 Stunden möglichst meiden
Was tun bei Höhenkrankheit? (Stopp–Check–Abstieg)
Wenn Symptome auftreten, ist die wichtigste Regel: nicht weiter aufsteigen. Viele leichte Fälle der Höhenkrankheit bessern sich schon mit etwas Ruhe, mit ausreichend Flüssigkeitsaufnahme und einem Schmerzmittel aus Ihrer Reiseapotheke. Geht es Ihnen weiterhin schlecht oder verschlechtert sich Ihr Zustand sogar, dann ist ein Abstieg die beste Therapie.
Leichte Symptome: so reagieren Sie richtig
- Aufstieg sofort stoppen und 24–48 Stunden auf gleicher Höhe bleiben
- Trinken, Körper warmhalten, ruhig schlafen
- Bei Kopfschmerz sind rezeptfreie Schmerzmittel möglich (beachten Sie Packungsangaben oder suchen Sie ärztlichen Rat auf)
Wenn es nicht besser wird: 500 bis 1.000 Meter absteigen
Bei anhaltenden Symptomen empfiehlt sich ein Abstieg um mindestens 500 Höhenmeter oder bis zur letzten symptomfreien Schlafhöhe. Unser Tipp: Lieber früher absteigen als zu spät.
Notfallzeichen: Abtransport organisieren
Bei Verdacht auf ein Höhenlungenödem oder ein Höhenhirnödem müssen Sie schnell handeln: Beginnen Sie den sofortigen Abstieg oder setzen Sie einen Notruf ab um einen Abtransport, Sauerstoffgabe und medizinische Hilfe zu organisieren.
Fazit: Bestens vorbereitet in den Urlaub
Eine Höhenkrankheit ist kein „Anfängerfehler“, sondern eine reale Anpassungsreaktion des Körpers auf Sauerstoffmangel – und sie kann jede_n treffen. Die beste Vorbeugung ist eine gute Tourenplanung mit langsamer Akklimatisation: kontrollieren Sie die Schlafhöhe, planen Sie Pausentage ein und lassen Sie die ersten Tage Ihrer Bergtour ruhig angehen. Wenn Symptome auftreten, lautet die wichtigste Entscheidung: Stopp – und wenn nötig Abstieg.
Achten Sie besonders auf Warnzeichen wie Atemnot in Ruhe oder Gangunsicherheit – das sind Notfälle.
Der nächste sinnvolle Schritt für Ihre Reise ins Gebirge: Planen Sie vor der Reise eine kurze ärztliche Beratung, besonders bei Vorerkrankungen oder ambitionierten Höhenzielen. Und denken Sie auch daran, einen passenden Reiseschutz abzuschließen. Für einen sorgenfreien Urlaub in den Bergen empfehlen wir Ihnen unseren KomplettSchutz: Damit sind Sie im Ausland optimal abgesichert bei Krankheit oder Unfall inklusive Heimtransport, Suche oder Bergung. Oder auch wenn Sie Ihre Reise stornieren müssen. So vorbereitet starten Sie umfassend geschützt in Ihr nächstes Höhen-Abenteuer.
Jetzt KomplettSchutz abschließen
Häufige Fragen zum Thema Höhenkrankheit
Ab welcher Höhe kann Höhenkrankheit auftreten?
Ab ca. 2.000 Meter kann eine akute Höhenkrankheit auftreten. Häufiger tritt sie über 2.500 Meter auf.
Wie erkenne ich Höhenkrankheit am ehesten?
Leitsymptom ist Kopfschmerz plus mindestens ein weiteres Symptom wie Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit oder Schlafstörung – besonders nach raschem Aufstieg.
Was ist die wichtigste Vorbeugung?
Langsam aufsteigen und die Schlafhöhe nur moderat erhöhen (Richtwert: 300–500 Meter pro Tag über 2.500 Meter. Pausentag alle drei Tage).
Was soll ich bei ersten Symptomen tun?
Nicht weiter aufsteigen, 24–48 Stunden auf gleicher Höhe rasten, ausreichend trinken. Bei anhaltenden Symptomen absteigen.
Wann wird es gefährlich?
Gefährlich wird es bei Zeichen eines Höhenlungenödems (Atemnot in Ruhe, Husten, Zyanose) oder Höhenhirnödems (Ataxie, Verwirrtheit, starke Kopfschmerzen).

