Wie viel Trinkgeld ist angemessen? Wie viel ist zu viel? Sei es beim Zahlen der Taxifahrt oder des Restaurantbesuchs: Nicht nur auf Reisen im Ausland stellt sich die Frage, wie viel Trinkgeld man gibt. Schließlich will niemand geizig oder arrogant wirken.
Unser Ratgeber informiert Sie umfassend über die kulturellen Unterschiede in Bezug auf Trinkgeld. Damit Sie zuhause, im Urlaub oder auf Geschäftsreise peinliche Situationen beim Bezahlen vermeiden.
Das Wichtigste zusammengefasst
- Trinkgeld ist in Österreich und vielen europäischen Ländern eine freiwillige Zusatzzahlung zum Rechnungsbetrag. Gesellschaftlich herrscht jedoch eine gewisse Zahlungserwartung, insbesondere in der Gastronomie.
- Gesellschaftlich üblich ist das Trinkgeld zum Beispiel in Restaurants, Cafés, Bars. Sowie für Handwerksleistungen, Lieferdienste oder im Taxi.
- Üblicherweise gibt man 5 bis 10 Prozent des Kaufpreises oder rundet auf glatte Beträge auf.
- Trinkgeld zu geben ist keine Pflicht, sondern ein Zeichen der Wertschätzung, dass man mit einer Dienstleistung zufrieden ist.
Woher kommt der Begriff Trinkgeld?
Die Tradition des Trinkgeldes stammt aus dem Spätmittelalter. Bot_innen, Handwerker_innen oder Kutscher_innen wurde ein Handgeld überreicht, damit diese sich einen „Trunk“ auf das Wohl der spendablen Person gönnen konnten. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Trinkgeld dann als Teil des Dienstleistungsalltags etabliert, zum Beispiel bei Reisen mit der Kutsche.
Wem gehört das Trinkgeld?
Trinkgeld ist eine wichtige Einnahmequelle für das Servicepersonal. Es ist in Österreich grundsätzlich steuerfrei, sofern es freiwillig und ortsüblich gewährt wird. In der Regel wird es in der Gastronomie unter dem Personal aufgeteilt. Gut zu wissen: Das Trinkgeld ist in Österreich zwar steuerfrei, aber sozialversicherungspflichtig. Das heißt, bei Kartenzahlung werden die Sozialversicherungsbeiträge automatisch vom Trinkgeld abgezogen.
Wem gibt man Trinkgeld?
Beim Service im Restaurant und bei bestimmten Dienstleistungen gehört es zum guten Ton, Trinkgeld zu geben. Dazu zählen zum Beispiel:
- Restaurant
- Lieferservice
- Zimmerreinigung im Hotel
- Friseurbetrieb
- Nagelstudio
- Taxi
Essen und Trinken
In Verkaufssituationen an der Bedientheke ist es unüblich, Trinkgeld zu geben, zum Beispiel in der Bäckerei oder Fleischerei. Grauzonen bestehen, wenn Sie das Essen selbst abholen, also beim Takeaway oder am Imbissstand.
Wenn im Beisl die Regel gilt, dass die Gäste jedes Getränk oder jede Runde direkt bezahlen, können Sie zum Beispiel beim ersten Getränk aufrunden und der Bedienung für eine gute Leistung beim Abschied ein kleines Trinkgeld geben.
Im Hotel
Trinkgeld für das Housekeeping gehört zum guten Ton. Das Trinkgeld für das Zimmerpersonal kann man auf dem Beistelltisch oder Kopfkissen hinterlassen, während man Servicekräften für das Koffertragen das Trinkgeld am besten persönlich gibt.
Das Concierge-Personal erhält ebenfalls gelegentlich Trinkgeld. Haben Sie im Hotelrestaurant gespeist oder an der Bar getrunken und waren zufrieden? Dann können Sie auch das Servicepersonal bedenken.
Das Trinkgeld für die genannten Servicekräfte können Sie entweder bar übergeben oder am Ende des Aufenthalts an der Rezeption mit entsprechendem Hinweis zur Rechnung hinzufügen lassen.
Handwerkerleistungen
Auch Handwerker_innen kann man ein Trinkgeld zustecken, insbesondere, wenn die Arbeit prompt erledigt wurde.
Muss ich Trinkgeld geben?
Nein, niemand ist verpflichtet Trinkgeld zu geben. Warum geben Leute also Trinkgeld? Weil es in vielen Kulturen ein Zeichen der Anerkennung von gutem Service ist.
Wenn Sie der Service oder die Dienstleistung dagegen nicht überzeugt hat, sollten Sie zeitig das Gespräch mit dem Personal suchen und die Mängel ansprechen. So haben die Zuständigen die Möglichkeit, die Kritik anzunehmen und nachzubessern. Werden die Mängel behoben, können Sie guten Gewissens trotzdem Trinkgeld geben.
Wie viel Trinkgeld gebe ich im Restaurant? – Die 10-Prozent-Regel in Europa
Grundsätzlich werden in europäischen Ländern rund zehn Prozent Trinkgeld erwartet. In Griechenland sollten Sie jedoch darauf achten, nicht zu viel Kleingeld auf den Tisch zu legen. Das könnte als Beleidigung empfunden werden. In der Türkei sind 10 bis 15 Prozent üblich – Kellner_innen sind auf das Trinkgeld oft angewiesen, es ist fester Bestandteil des Einkommens, von dem sie leben. Auch in Frankreich ist es normal, 10 bis 15 Prozent des Rechnungsbetrags als Trinkgeld zu geben.
Während die Höhe des Trinkgeldes in Europa recht ähnlich ist, gibt es bei der Art der Übergabe große Unterschiede. In der Türkei übergibt man das Trinkgeld nicht persönlich. Es wird nach Bezahlung auf einen Rechnungsteller gelegt. Ähnlich handhabt man es auch in Frankreich, Trinkgeld heißt dort “le „pourboire“, und in Spanien, hier sagt man “la propina“: Man legt das Geld auf den Tisch, eine persönliche Übergabe ist nicht erwünscht.
Was ist bei Kartenzahlung zu beachten?
Wer im Restaurant mit Karte zahlt, sollte das Trinkgeld idealerweise trotzdem bar geben, damit es ohne Abzüge bei der Servicekraft ankommt. In vielen österreichischen Restaurants kann Trinkgeld mittlerweile direkt bei der Kartenzahlung ergänzt werden. Dennoch bevorzugen manche Servicekräfte Bargeld. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, die Bedienung zu fragen, ob Trinkgeld mit der Karte möglich ist.
„Coperto“ in Italien
Wenn Sie in einem Restaurant den Begriff „coperto“ lesen, müssen Sie mit einer zusätzlichen Gebühr für Gedeck und Service rechnen. Wer möchte, kann dennoch zusätzlich Trinkgeld geben.
Großbritannien und Irland
Wenn keine „service charge“ (Servicegebühr) berechnet wird, die explizit auf der Rechnung ausgewiesen wird, sind auch in diesen Ländern 10 bis 15 Prozent „Tip“ üblich.
Trinkgeld-Regelungen weltweit:
Kein Trinkgeld in Japan
In vielen Regionen Japans gilt Trinkgeld als Beleidigung oder zumindest als unhöflich. Perfekter Service ist in Japan eine Selbstverständlichkeit. Ihre Dankbarkeit sprechen Sie in Japan also am besten aus oder zeigen sie mit einem Lächeln.
Trinkgeldpflicht in den USA
Sie planen eine Reise in die USA? Dann beachten Sie diese Besonderheit: In den USA verdienen Kellner_innen oft ein sehr geringes Gehalt und sind somit auf ein Trinkgeld angewiesen. Hier gelten 15 bis 20 Prozent als angemessen und gewissermaßen auch als verpflichtend. Denn kein Trinkgeld zu geben, ist absolutes No-Go in den Vereinigten Staaten. Die Höhe des erwarteten Trinkgeldes wird auf der Rechnung ganz unten als “Tip” angegeben.
Tunesien, Marokko und Ägypten
In diesen nordafrikanischen Staaten ist Trinkgeldgeben ein Akt der Höflichkeit und praktisch gang und gäbe. Die Höhe kann variieren. Wer kein Trinkgeld gibt, gilt als arrogant und unhöflich.
Wie viel Trinkgeld gibt man im Hotel?
Für das Housekeeping kann man ein Trinkgeld von etwa zwei Euro pro Tag einplanen, für das Gepäcktragen ein bis zwei Euro.
Wie viel Trinkgeld ist beim Friseur angemessen?
Wenn Ihnen Schnitt und Styling Ihrer neuen Frisur gefallen, gelten zehn Prozent als angebracht.
Wie viel Trinkgeld für Handwerker_innen?
Bei Handwerkerleistungen entscheiden Sie vollkommen freiwillig, ob Sie Trinkgeld geben möchten. Sie sind sehr zufrieden? Dann wählen Sie die Höhe des Betrages abhängig vom Umfang der Arbeiten oder davon, ob die Leistung in Notfällen auch außerhalb der regulären Arbeitszeit erbracht wurde.
- Bei kleineren Aufträgen (bis zu vier Stunden) können Sie 5 bis 20 Euro geben.
- Zieht sich das Projekt über mehrere Tage, können Sie ein Trinkgeld bis fünfzig Euro erwägen.
- Bei Notfällen, zum Beispiel bei der Behebung eines Wasserrohrbruchs am Feiertag, können Sie sich auch großzügig zeigen – höchstens aber 50 Euro.
Meist ist es jedoch eher üblich, Handwerker_innen Getränke oder eine kleine Jause anzubieten.
Fazit: Informiert und abgesichert: so reisen Sie entspannt
Trinkgeld ist in vielen Ländern ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung – aber es funktioniert weltweit sehr unterschiedlich. Wenn Sie die wichtigsten Regeln kennen, vermeiden Sie Missverständnisse und können Restaurantbesuche, Hotelaufenthalte und Ausflüge entspannt genießen. Mit unseren Informationen und Tipps sind Sie in Österreich, Europa und vielen beliebten Reiseländern beim Thema Trinkgeld gut vorbereitet.
Worauf Sie als Reisende_r jedoch weniger Einfluss haben: unerwartete Zwischenfälle vor oder während der Reise – etwa eine plötzliche Erkrankung, ein Unfall oder andere wichtige Gründe, die dazu führen können, dass Sie Ihre Reise stornieren oder abbrechen müssen. Schützen Sie sich vor Storno- und Abbruchkosten mit dem StornoSchutz der Europäischen Reiseversicherung.
Jetzt StornoSchutz abschließen
FAQ: Wie viel Trinkgeld geben?
Wie viel Trinkgeld ist in Österreich und Europa üblich?
In Österreich und vielen europäischen Ländern gelten 5–10 Prozent Trinkgeld als angemessen. Oft wird auch einfach auf einen glatten Betrag aufgerundet. Besonders in der Gastronomie, im Taxi und im Hotel wird Trinkgeld gesellschaftlich erwartet.
Muss ich Trinkgeld geben?
Nein, Trinkgeld ist freiwillig – mit Ausnahme USA. Es zeigt Ihre Wertschätzung, wenn Sie mit dem Service zufrieden waren. Bei Problemen lohnt es sich, frühzeitig das Gespräch zu suchen, damit der Service nachgebessert werden kann.
Wie viel Trinkgeld gebe ich im Hotel?
Für das Housekeeping sind etwa 2 Euro pro Tag üblich, für das Gepäcktragen rund 1–2 Euro pro Koffer. Sie können das Trinkgeld persönlich übergeben oder gut sichtbar im Zimmer hinterlassen.
Wie gebe ich Trinkgeld bei Kartenzahlung?
Viele Lokale ermöglichen das Ergänzen des Trinkgelds bei Kartenzahlung. Bargeld kommt jedoch ohne Abzüge beim Servicepersonal an und wird daher oft bevorzugt.
Was bedeutet „Coperto“ in Italien?
„Coperto“ ist eine Service- und Gedeckgebühr, die automatisch verrechnet wird. Ein zusätzliches Trinkgeld ist nicht verpflichtend, wird aber geschätzt.
Wie viel Trinkgeld ist in den USA angemessen?
In den USA gilt Trinkgeld praktisch als Pflicht. Üblich sind 15–20 Prozent, da Servicekräfte auf das Trinkgeld angewiesen sind. Die Rechnung listet häufig empfohlene Beträge („Tip“) auf.
Soll ich in Japan Trinkgeld geben?
Nein. In Japan wird perfekter Service erwartet, Trinkgeld kann als unhöflich oder beleidigend gelten. Ein freundliches Dankeschön ist völlig ausreichend.
Aus unserem Reisemagazin
Business-Etikette in der Welt
Bleisure-Travel
Mit Kreditkarte ausreichend geschützt?

