Places to be: Indien

Ansicht eines Gebäudes im Garten von Bada Bagh.

Erleben Sie Indien auf die besondere Art: Elisabeth Kneissl-Neumayer, Geschäftsführerin von Kneissl Touristik, erzählt in ihrem Reisebericht, warum Rajasthan unglaublich, staunenswert, umwerfend, atemberaubend und unvergleichlich wie ein Kaleidoskop ist.

Indien ist der bevölkerungsreichste Staat und die größte Demokratie der Erde. Ein niedriges BIP pro Kopf (Bruttoinlandsprodukt) steht neben einer immensen wirtschaftlichen Stärke in den Gebieten IT und Pharmazie. Ein Land voller (scheinbarer) Widersprüche: Menschen, die täglich aus den Slums von Mumbai im Anzug zur Arbeit fahren, riesige Pilgerfeste mit Millionen von Gläubigen, gelebte Stammestraditionen der Adivasi, der indischen Urbevölkerung, und vieles mehr.

Aufgrund der schieren Größe und kulturellen Vielfalt ist es kaum möglich, Indien in wenigen Wochen in allen Facetten zu erfassen. Wer das Land bereist, tut daher gut daran, sich auf einzelne Regionen zu konzentrieren – und diese bewusst zu erleben. In diesem persönlichen Reisebericht stellt Ihnen Elisabeth Kneissl-Neumayer ihre Highlights Indiens vor.
 

Das Wichtigste in Kürze

  • Indien ist riesig und kulturell vielfältig. Wenn man dorthin reist, sollte man sich für ein paar bestimmte Regionen entscheiden.
  • Dieser Ratgeberartikel stellt drei besondere Orte bzw. Regionen vor: Rajasthan, Varanasi und Kerala.
  • In Rajasthan entdecken Sie Paläste, Wüstenlandschaften und alte Forts. Hier fühlen Sie sich in die Zeit der Maharadschas versetzt.
  • Die Stadt Varanasi gilt als spirituelles Herz Indiens. An den Ghats (Treppen) am Ganges entdecken Sie das tägliche Leben und wichtige religiöse Rituale.
  • Kerala im Süden bietet Natur, Entspannung und tropische Landschaften – ideal als ruhiger Kontrast zu Nordindien.
  • Beachten Sie bei Ihrer Reiseplanung auf jeden Fall das Klima. Je nach Region gibt es Reisezeiten, die Sie meiden sollten.
  • Wer Indien besucht, erlebt viele Gegensätze: lebendige Städte, tiefe Spiritualität und wunderschöne Natur – oft nur wenige Flug- oder Zugstunden voneinander entfernt.

 

Rajasthan – königlicher Nordwesten

Rajasthan ist ein Bundesstaat mit einer magischen Anziehungskraft, sagt Elisabeth Kneissl-Neumayer, Geschäftsführerin von Kneissl Touristik: „Bei meiner letzten Reise haben wir im äußersten Süden der Region begonnen – mit einem Abstecher nach Dungarpur: Wie in vielen Orten des Landes haben wir in einem Heritage-Hotel voller liebenswerter Erinnerungen geschlafen, haben den Palast aus dem 19. Jahrhundert am Ufer des Gaib-Sagar-Sees bewundert, aber auch über die fantastische Extravaganza gelacht, inmitten der hochherrschaftlichen Garage voller einzigartiger Oldtimer eine Bar einzurichten – mit Blick quasi von der Hebebühne auf die Hochglanz polierten Rolls Royce u.v.m..

Das alte Fort Dungarpur wurde bereits im 13. Jahrhundert als „Stadt der Hügel“ gegründet. Wer durch das unscheinbare Portal eintritt, den umfängt eine Welt prachtvollster Spiegelmosaike, grandioser Miniaturmalerei und üppigster Farben – doch nur wenige Besucher verirren sich hierher.

 

Udaipur

Weitaus bekannter ist die nur zwei Fahrstunden nördlich gelegene Stadt Udaipur – die Maharanas des Sonnenclans haben nach dem Fall ihres Stammsitzes hier die prächtigste Schlossanlage Rajasthans errichtet – mächtig, würdevoll, verspielt erheben sich die Palastanlagen über dem Pichola-See, der (als künstlicher See) als Spiegel für diese Pracht dienen sollte.

Ein Tipp von Elisabeth Kneissl-Neumayer: „Hier entstand einer der schönsten Dokumentarfilme von Andre Heller und Werner Herzog – Jag Mandir, eine „Inventur der indischen Volkskunst“. Mehr als 2.000 Künstler trafen sich zu einem einzigartigen Fest in Udaipur – aufgezeichnet mit all der Demut, die Dokumentarfilmer von der Größe Werner Herzogs und Andre Hellers aufbringen können. Wer nach Rajasthan reist, sollte sich dieses Wunderwerk als „Vorbereitung“ unbedingt anschauen!

Spaziert man durch die Gassen von Udaipur, erlebt man die Geschäftigkeit der Basarstraßen, die rege Betriebsamkeit um den Jagdish-Tempel mit seinen hunderten Götterfiguren und die Erhabenheit der Durbar-Hallen und Räumlichkeiten im Palast. Quasi auf den Spuren von James Bond – der Film “Octopussy” spielt zu großen Teilen in der “Weißen Stadt” – wandelt man beim Besuch der beiden Seepaläste, die wie leuchtend weiße Juwele inmitten des Pichola-Sees liegen.

 

Aravallis

Nordwestlich von Udaipur erreichen Sie die Bergkette der Aravallis. Diese ist mit mehr als zwei Milliarden Jahren eines der ältesten Gebirge Indiens, das sich quer durch Nordindien zieht und hier als Klima-/Wetterscheide zwischen der Wüste Thar und dem fruchtbareren Osten des Landes fungiert. Vorbei an kleinen Dörfern mit winzigen Feldern, die mühsam von Büffel-betriebenen Wasserrädern bewässert werden, erreichen Sie Ranakpur, eines der größten Wunder indischer Steinmetzkunst. Die Jains sind in Nordindien vor allem in Gujarat (Palitana) und Rajasthan (u.a. Mt. Abu) zu finden – in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts nutzten sie ihren Einfluss, um hier in der Abgeschiedenheit der Aravalli-Berge ihre Marmor-Tempel zu errichten: elfenbeinfarbener Marmor zu höchster Vollendung geführt. Der Adinatha-Tempel – für die geistigen Anführer der Jains (Tirthankaras) errichtet – wird von mehr als 1.440 Marmorsäulen getragen, die alle unterschiedlich in überschwänglicher Ornamentfülle gestaltet sind. Hier erfährt man hautnah, was atemberaubend bedeutet – was es heißt, dank unzähliger Details ganz hingerissen zu sein.

 

Rohet Garh

Weiter geht es nach Rohet Garh, Heimat eines Maharadschas sowie eines bezaubernden Heritage-Hotels. Wer nach Luxus pur sucht, kann den Palast des Maharadscha-Sohnes Mihir Garh besuchen: ein Schloss-Traum, den er sich auf den heiligen Dünen des Kriegergottes von Marwar erfüllt hat. Neun Suiten, die inmitten der Wüste Thar mit ihrer kargen Schönheit alle Annehmlichkeiten bieten.

Doch Elisabeth Kneissl-Neumayer suchte etwas anderes, nämlich „den Kontakt zum Stamm der Bishnoi, die sich vor 500 Jahren bereits dank eines Gurus dem Schutz allen Lebens verschrieben haben. Die früh erkannten, dass die Abholzung die Wüste vorantreibt, dass alles Leben Platz braucht und die in enger Verbundenheit mit Tieren und Pflanzen leben. Bishnoi bedeutet 29: sie leben nach 29 Regeln bzw. Geboten, die ihren absoluten Respekt vor allen Lebewesen bezeugen: Fälle keine Bäume, töte keine Tiere, denke, bevor du sprichst; die aber auch Fragen der täglichen Hygiene, der Bildung oder des vergebenden Zusammenlebens regeln. Der Maharadscha von Rohet zählt zu den Menschen, die sich für die Bishnoi einsetzen, ob vor Gericht oder vor dem Landesparlament, sodass wir im Umkreis von Rohet einige Bishnoi-Siedlungen besuchen können.

Mehrangarh Fort

Nur etwa eine Fahrstunde nördlich von Rohet Garh liegt das Mehrangarh Fort auf einer steilen Felsklippe über Jodhpur, der Hauptstadt des alten Königreichs Marwar, heute die zweitgrößte Stadt Rajasthans. Mitte des 15. Jahrhunderts an einer belebten Karawanenstraße gegründet, über die Opium und Kupfer, Sandelholz und Datteln Richtung Westen gelangten, erhebt sich das Fort wie eine Krone über die blaue Altstadt. Ursprünglich hätten nur Brahmanen die blaue Hausfarbe verwendet – jetzt wird es von allen imitiert und gibt der Stadt mit den vielen regen Gassen und Märkten rings um den Uhrturm ihr besonderes Flair. Das Mehrangarh Fort fasziniert mit prunkvollen Sälen, wo ab dem 17. Jahrhundert alles, was gut und teuer war, aus Europa importiert und in den üppigen Repräsentationsstil integriert wurde – Delfter Porzellan und Murano-Glas neben indischer Miniatur-Malerei.

 

Chhatra Sagar

Einen Übernachtungsort der besonderen Art finden Sie zwischen Jodhpur und Pushkar – den Staudamm von Chhatra Sagar. Vor wenigen Jahren wurden auf der Dammkrone Luxuszelte inmitten der schönen Umgebung errichtet, die den kleinen Stausee und die grüne Oase überblicken. Hier kann man nicht nur die interessante Vogelwelt kennen lernen, sondern auch Einblick in das normale Alltagsleben der Bauern und Bäuerinnen ringsum erhalten, die ländliche Lebensart und die Traditionen.

 

Pushkar

Nach dem wenig bekannten Übernachtungsort geht es weiter nach Pushkar, die Stadt der 1000 Tempel – ein hinduistischer Wallfahrtsort obersten Ranges am Rande der Wüste Thar, am Ufer des Pushkar-Sees. Der malerisch zwischen Hügeln und Dünen gelegene See greift in seiner religiösen Bedeutung auf eine Brahma-Legende zurück und beherbergt einen der wenigen Brahma-Tempel Indiens. Zur Zeit des Vollmonds im November erwacht der Ort für einige Tage aus seiner Beschaulichkeit und eine geschäftige Festatmosphäre macht sich breit – denn dann wird hier ein lebhafter Markt, einer der größten Viehmärkte Indiens, mit Kamelen, Büffeln, Pferden und Schafen abgehalten. Tausende Pilger_innen kommen, um sich im Heiligen See von ihren Sünden zu reinigen oder Vieh auf dem weitläufigen Markt zu erstehen. Vor allem die Rajputen in farbenprächtiger Kleidung sind ein Glanzpunkt des Marktes – und der Ort und das interessante Fest eines der touristischen Highlights in Rajasthan. Einigermaßen luxuriöse Zeltcamps werden um die Stadt errichtet, denn die wenigen Hotels der Stadt würden dann nicht ausreichen.

Hier können Sie die Menschen bei ihren morgendlichen Gebeten erleben, dem lauten Gefeilsche in der Altstadt und auf den Märkten lauschen und schließlich den zauberhaften Sonnenuntergang genießen.

 

Jaipur

Natürlich darf auch die Pink City nicht fehlen – Jaipur, die faszinierende rosarote Hauptstadt von Rajasthan. Als den Kachwahas ihr alter Stammsitz Amber zu eng wurde, ließ Maharadscha Jai Singh II in der nahegelegenen Ebene im Jahr 1727 eine neue Stadt errichten, ursprünglich Jainagara genannt. Sie sollte den uralten Überlieferungen der Hindu-Literatur nach einer perfekten Stadt entsprechen. Trotz zahlreicher Kriege und Auseinandersetzungen mit den Nachbar-Königreichen, den Mogulkaisern und den Maratha-Fürsten fand der Herrscher Zeit, sich neben dem Städtebau auch mit Astronomie zu beschäftigen – er ließ fünf Observatorien (Jantar Mantar) errichten, die in den wichtigsten Städten Indiens entstanden und den Observatorien der Jesuiten weit überlegen waren. Jenes in Jaipur ist bis heute voll funktionstüchtig und zählt gemeinsam mit Amber und dem Stadtpalast zum Weltkulturerbe der UNESCO. Genauso wie der Hawa Mahal, der Palast der Winde, eine Kulissenwand mit dutzenden Erkern, die den Frauen des königlichen Palastquartiers Ausblick auf Feste auf den Straßen gewährte, ohne selbst gesehen zu werden.

Warum die Stadt „rosa“ wurde, ist schnell erzählt: ein Besuch des englischen Prinzen Albert Edward (und späteren Königs Edward VII) tauchte die Stadt in die Farbe der Gastfreundschaft – ein pink-ocker-farbenes Rosa, das bis heute in der ganzen Stadt zelebriert wird.

 

Varanasi – Indiens Seele

Von Rajasthan lohnt sich ein Abstecher nach Varanasi im nordöstlichen benachbarten Bundesstaat Uttar Pradesh. Die Stadt ist der wichtigste Pilgerort der Hindu. Die Pilger_innen baden im heiligen Ganges. Für sie reinigt das Wasser nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Varanasi ist auch als die Stadt des Todes bekannt: Sie steht für friedvolles Sterben und gute Chancen auf eine erfolgreiche Inkarnation.

Dank der Restaurierung und sorgfältigen Instandhaltung sind die Ghats, die Treppen zum Fluss, sauberer und gepflegter geworden.

 

Ikonische Kashi Ghats

Die Kashi Ghats entlang des Flusses Ganges gelten als der spirituellste und ikonischste Teil Varanasis. Hier zu stehen ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Glaube, Leben und Ewigkeit scheinen hier ineinander zu fließen. Menschen kommen zum Gebet – Glockenklänge und Lichterzeremonien zeugen von tiefster Spiritualität – und um die wunderschönen Sonnenaufgänge und -untergänge zu genießen. Die Manikarnika und Harishchandra Ghats zeigen eine andere Seite des Lebens, die an den Kreislauf von Leben und Befreiung (Moksha) erinnert.

Unser Geheimtipp: eine Bootsfahrt auf dem Ganges, um die Szenerie der Tempel, Priester und Gläubigen am Ufer mit Muße beobachten zu können. Idealerweise startet man morgens im Nebel.

 

Kerala – wo Indien leise wird

Der Bundestaat Kerala liegt im Südosten Indiens, an der Küste des Arabischen Meeres. Er ist geprägt von:

  • Tee-, Gewürz- und Kaffeeplantagen
  • tropischen Regenwäldern mit reicher Flora und Fauna
  • den Backwaters
  • Sandstränden und Palmen
     

Die Region ist touristisch erschlossen, mit vielen traditionellen Unterkünften und auch Übernachtungsmöglichkeiten in privaten Gasthäusern. Eine weitere charmante Möglichkeit ist die Übernachtung auf einem Hausboot.

 

Morgenstimmung in den Backwaters

Die morgendliche Stimmung in den Backwaters, einem verzweigten Netz aus Flüssen, Kanälen und Lagunen, lässt sich wohl am besten in einer Szene beschreiben.

Es ist noch vor Sonnenaufgang, ein milchiger Nebel liegt über den Kanälen. Das Hausboot gleitet lautlos durch das Wasser – kein Motorlärm, nur das rhythmische Eintauchen eines Holzruders. Palmen zeichnen sich als dunkle Silhouetten gegen den heller werdenden Himmel ab. Erste Rauchfahnen steigen aus einfachen Häusern am Ufer auf.

Der Duft von feuchter Erde, Kokos und Holzfeuer liegt in der Luft. Ein Fischer steht knietief im Wasser und wirft sein Netz in weitem Bogen aus, während Schulboote – schmale Kanus – Kinder in gebügelten Uniformen zum anderen Ufer bringen und Frauen in leuchtenden Saris Wäsche an steinernen Stufen waschen. Ein Tempelgong erklingt weich aus der Ferne.

Langsam färbt sich der Himmel von Grau zu Apricot und das Wasser wird zum Spiegel für Palmen, Wolken und Licht. Reiher und Eisvögel fliegen knapp über der Oberfläche entlang. Alles wirkt entschleunigt und ruhig.

Auf dem Oberdeck des Bootes gibt es eine Tasse südindischen Kaffee, während der Duft von Kardamom und Nelken aus der Bordküche herüberweht. Kein Hupen, kein Gedränge – nur das leise Schlagen der Wellen gegen das Holz: Nach den vielen Eindrücken aus Rajasthan und der Intensität Varanasis wirkt Kerala wie ein Ausatmen.

 

Wann ist die beste Reisezeit für Indien?

Als beste Reisezeit für den Norden (wie Rajasthan und Varanasi) gelten die Monate Oktober bis März. Im Sommer kann es hier recht heiß werden und die Luftfeuchtigkeit ist hoch, insbesondere während des Monsuns. Das gilt auch für Kerala: Als ideale Reisezeit für Südindien werden hier Dezember bis Februar angesehen, wenn die Temperaturen angenehm und die Niederschläge moderat sind.

 

Jetzt KomplettSchutz abschließen

 

Aus unserem Reisemagazin:

Places to be: Irland

Places to be: Australien

Reisecheckliste – So planen Sie Ihre Reise Schritt für Schritt